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2. Unsymbolischer Typus der Religion Zoroasters
Was wir das Symbolische nannten, ist in diesen Grundanschauungen noch gar nicht vorhanden. Auf der einen Seite ist freilich das Licht das natürlich Daseiende, und auf der anderen hat es die Bedeutung des Guten, Segensvollen, Erhaltenden, so daß man sagen könnte, die wirkliche Existenz des Lichts sei ein bloß verwandtes Bild für diese allgemeine, durch die Natur und die menschliche Welt hindurchgreifende Bedeutung. In Rücksicht auf die Anschauung der Parsen selber aber ist die Trennung der Existenz und ihrer Bedeutung falsch, denn für sie ist eben das Licht als Licht das Gute und wird so aufgefaßt, daß es als Licht in allem besonderen Guten, Lebendigen, Positiven da sei und wirke. Das Allgemeine und Göttliche führt sich zwar durch die Unterschiede der besonderen weltlichen Wirklichkeit durch, aber in diesem seinem besonderten und vereinzelten Dasein bleibt dennoch die substantielle, ungeschiedene Einheit von Bedeutung und Gestalt bestehen, und die Verschiedenheit dieser Einheit betrifft nicht den Unterschied der Bedeutung als Bedeutung und ihrer Manifestation, sondern nur die Verschiedenheit der daseienden Gegenstände, als z. B. der Gestirne, Gewächse, menschlichen Gesinnungen und Handlungen, in welchen das Göttliche als Licht oder Finsternis als vorhanden angeschaut ist.
In den weiteren Vorstellungen geht es allerdings zu einigen symbolischen Anfängen fort, welche jedoch nicht den eigentlichen Typus der ganzen Anschauungsweise abgeben, sondern nur als vereinzelte Ausführungen gelten können. So sagt z. B. Ormuzd einmal von seinem Liebling, dem Dschemschid: "Der heilige Ferwer Dschemschids, des Sohnes Vivenghams, war groß vor mir. Seine Hand nahm von mir einen Dolch, dessen Schärfe Gold war und dessen Griffel Gold. Darauf bezog Dschemschid dreihundert Teile der Erde. Er spaltete das Erdreich mit seinem Goldblech, mit seinem Dolch, und sprach: Sapandomad freue sich. Er sprach das heilige Wort mit Gebet an das zahme Vieh, an das wilde und an die Menschen. So ward sein Durchzug Glück und Segen für diese Länder, und zusammenliefen in großen Haufen Haustiere, Tiere des Feldes und Menschen. " Hier ist nun der Dolch und das Spalten des Erdbodens ein Bild, als dessen Bedeutung der Ackerbau angenommen werden kann. Der Ackerbau ist noch keine für sich geistige Tätigkeit, ebensowenig aber auch nur ein rein Natürliches, sondern eine aus Überlegung, Verstand und Erfahrung herkommende allgemeine Arbeit des Menschen, welche durch alle seine Lebensbezüge hindurchreicht. Daß nun jenes Spalten der Erde mit dem Dolche auf den Ackerbau hindeuten solle, ist zwar in der Vorstellung von dem Umzuge Dschemschids nirgend ausdrücklich gesagt, und es wird von keinem Fruchtbarmachen und von keinen Feldfrüchten in Verbindung mit diesem Spalten gesprochen; indem jedoch in diesem einzelnen Tun zugleich mehr als dies einzelne Umherziehen und Auflockern des Bodens zu liegen scheint, ist darin etwas symbolisch Angedeutetes zu suchen. Ähnlich verhält es sich mit den näheren Vorstellungen, wie sie besonders in der späteren Ausbildung des Mithrasdienstes vorkommen, wo der Mithras dargestellt wird, wie er in dämmernder Grotte als Jüngling den Kopf des Stiers in die Höhe richtet und ihm einen Dolch in den Hals stößt, während eine Schlange das Blut aufleckt und ein Skorpion seine Zeugungsteile benagt. Man hat diese symbolische Darstellung bald astronomisch, bald in anderer Weise erklärt. Allgemeiner und tiefer jedoch kann man den Stier als das natürliche Prinzip überhaupt nehmen, über welches der Mensch, das Geistige, den Sieg davonträgt, obschon auch astronomische Beziehungen mit hineinspielen mögen. Daß aber solch eine Umkehr, wie jener Sieg des Geistes über die Natur, darin enthalten sei, darauf deutet auch der Name des Mithras, des Mittlers, hin, besonders in späterer Zeit, als das Erheben über die Natur schon Bedürfnis der Völker wurde.
Dergleichen Symbole nun aber kommen, wie gesagt, in der Anschauung der alten Parsen nur nebenher zum Vorschein und machen nicht das durchgängige Prinzip für die ganze Anschauungsweise aus.
Noch weniger ist der Kultus, welchen der Zend-Awesta vorschreibt, symbolischer Art. Wir finden hier nicht etwa symbolische Tänze, welche den verschränkten Lauf der Gestirne feiern oder nachbilden sollen, ebensowenig anderweitige Tätigkeiten, welche nur als ein andeutendes Bild für allgemeine Vorstellungen gelten; sondern alle Handlungen, die dem Parsen zur religiösen Pflicht gemacht werden, sind Geschäftigkeiten, welche auf die wirkliche Verbreitung der Reinigkeit im Inneren und Äußeren gehen, und erscheinen als ein zweckmäßiges Vollbringen des allgemeinen Zwecks, Ormuzds Herrschaft in allen Menschen und Naturgegenständen zu verwirklichen, - eines Zwecks daher, der in diesem Tun selber nicht nur angedeutet, sondern ganz und gar erreicht wird.
3. Unkünstlerische Auffassung und Darstellung der Religion Zoroasters
Wie nun dieser ganzen Anschauung der Typus des Symbolischen abgeht, fehlt ihr auch der Charakter des eigentlich Künstlerischen. Im allgemeinen zwar kann man ihre Vorstellungsweise poetisch nennen, denn die einzelnen Naturgegenstände sind ebensowenig als die einzelnen menschlichen Gesinnungen Zustände, Taten, Handlungen in ihrer unmittelbaren und dadurch zufälligen und prosaischen Bedeutungslosigkeit aufgenommen, sondern ihrer wesentlichen Natur nach im Lichte des Absoluten als des Lichtes angeschaut; und umgekehrt ist auch die allgemeine Wesenheit der konkreten natürlichen und menschlichen Wirklichkeit nicht in ihrer existenzlosen und gestaltlosen Allgemeinheit aufgefaßt, sondern dies Allgemeine und jenes Einzelne ist als unmittelbar Eines vorgestellt und ausgesprochen. Solch eine Anschauung darf als schön, weit und groß gelten, und gegen schlechte und sinnlose Götzenbilder gehalten, ist das Licht, als dies in sich Reine und Allgemeine, allerdings dem Guten und Wahren angemessen. Die Poesie darin bleibt aber ganz im Allgemeinen stehen und bringt es nicht zur Kunst und zu Kunstwerken. Denn weder ist das Gute und Göttliche in sich bestimmt, noch die Gestalt und Form dieses Inhalts aus dem Geiste erzeugt; sondern, wie wir bereits sahen, das Vorhandene selbst, die Sonne, Gestirne, die wirklichen Gewächse, Tiere, Menschen, das existierende Feuer sind als die in ihrer Unmittelbarkeit schon gemäße Gestalt des Absoluten ergriffen. Die sinnliche Darstellung wird nicht, wie die Kunst es fordert, aus dem Geiste gebildet, geformt und erfunden, sondern unmittelbar in dem äußerlichen Dasein als der adäquate Ausdruck gefunden und ausgesprochen. Zwar wird das Einzelne nach der anderen Seite hin auch unabhängig von seiner Realität durch die Vorstellung fixiert, wie z. B. in den Izeds und den Ferwers, den Genien einzelner Menschen; die poetische Erfindung aber in dieser beginnenden Trennung ist von der schwächsten Art, weil der Unterschied ganz formell bleibt, so daß der Genius, Ferwer, Ized, keine eigentümliche Gestaltung erhält und erhalten soll, sondern teils nur ganz denselben Inhalt, teils auch nur die bloße, für sich leere Form der Subjektivität hat, welche schon das existierende Individuum besitzt. Die Phantasie produziert weder eine andere, tiefere Bedeutung noch die selbständige Form einer in sich reicheren Individualität. Und wenn wir auch weiterhin die besonderen Existenzen zu allgemeinen Vorstellungen und Gattungen zusammengefaßt sehen, denen als dies Gattungsmäßige durch die Vorstellung eine reale Existenz gegeben wird, so ist doch auch dieses Erheben der Vielheit zu einer umfassenden, wesentlichen Einheit, als Keim und Grundlage für die Einzelheiten derselben Art und Gattung, nur wieder im unbestimmteren Sinne eine Tätigkeit der Phantasie und kein eigentliches Werk der Poesie und Kunst. So ist z. B. das heilige Behramfeuer das wesentliche Feuer, und unter den Wassern kommt gleichfalls ein Wasser aller Wasser vor. Hom gilt als der erste, reinste, kräftigste unter allen Bäumen, der Urbaum, in welchem der Lebenssaft voll Unsterblichkeit quillt. Unter den Bergen wird Albordsch, der heilige Berg, als der erste Keim der ganzen Erde vorgestellt, der im Lichtglanz steht, von dem die Wohltäter der Menschen, welche die Erkenntnis des Lichtes hatten, ausgehen und auf welchem Sonne, Mond und Sterne ruhen. Im ganzen aber ist das Allgemeine in unmittelbarer Einheit mit der vorhandenen Wirklichkeit der besonderen Dinge angeschaut, und nur hin und wieder werden allgemeine Vorstellungen durch besondere Bilder versinnlicht.
Prosaischer noch hat der Kultus die wirkliche Durchführung und Herrschaft des Ormuzd in allen Dingen zum Zweck und fordert nur diese Angemessenheit und Reinheit jedes Gegenstandes, ohne daraus selbst nur ein gleichsam in unmittelbarer Lebendigkeit existierendes Kunstwerk zu bilden, wie es in Griechenland die Fechter, Ringer usf. in ihrer ausgearbeiteten Körperlichkeit darzustellen wußten.
Nach allen diesen Seiten und Beziehungen hin macht die erste Einheit geistiger Allgemeinheit und sinnlicher Realität nur die Grundlage des Symbolischen in der Kunst aus, ohne jedoch selber schon eigentlich symbolisch zu sein und Kunstwerke zustande zu bringen. Um zu diesem nächsten Ziele hinzugelangen, ist deshalb das Fortgehen aus der soeben betrachteten ersten Einheit zur Differenz und zum Kampfe der Bedeutung und ihrer Gestalt erforderlich.
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